12
Grab von Eugen und Lydie Link
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Aus „Stufen“, Hermann Hesse
Uns neuen Räumen jung entgegen senden …
Manche Begegnungen hinterlassen Spuren, die weit über ein gemeinsames Leben hinausreichen. Die Freundschaft zwischen Hermann Hesse und Eugen Link gehört zu diesen stillen Verbindungen.

Was bleibt?
Eugen und Lydie Link öffneten Hermann Hesse nicht nur die Tür ihres Hauses, sondern auch einen Ort der Geborgenheit. Zwischen Hermann Hesse und Eugen Link entstand eine Freundschaft, getragen von gegenseitigem Respekt, gemeinsamen literarischen Interessen und einem intensiven Briefwechsel. Bei seinen Aufenthalten in Ulm fand Hesse hier einen Rückzugsort, an dem Gespräche, Gedanken und Freundschaft gleichermaßen ihren Platz hatten.

Quelle: Jörg Michahelles

Quelle: Jörg Michahelles
Ein Haus der Gastfreundschaft

Quelle: Wieland Werke AG Firmen Archiv
Während seiner Aufenthalte in Ulm wohnte Hermann Hesse regelmäßig bei Eugen und Lydie Link in ihrer Villa in der Neutorstraße. Das großzügige Haus der Familie Wieland bot dem Dichter genau das, wonach er sich nach anstrengenden Lesereisen oft sehnte: Ruhe, Herzlichkeit und eine Atmosphäre, in der Gespräche entstehen konnten.
In seinem Reisebericht Die Nürnberger Reise erinnert sich Hesse an diese Begegnung:
„Ich kam in ein freundliches Haus, mit Kindern, mit liebenswerten Menschen, es war keine Fremde da, ich war noch in Schwaben.“
Diese wenigen Worte verraten viel über das Verhältnis zwischen Gastgeber und Gast. Für Hesse war das Haus der Familie Link nicht nur eine Unterkunft – es war ein Ort des Ankommens.
Ein Leben zwischen Ulm und Laupheim
Das Glück der Familie Link wurde durch den Zweiten Weltkrieg jäh unterbrochen. In der Bombennacht des 17. Dezember 1944 wurde das Wohnhaus in der Ulmer Neutorstraße zerstört.
Eugen und Lydie Link zogen daraufhin nach Laupheim und fanden im elterlichen Haus von Eugen Link in der heutigen Gartenstraße 10 eine neue Heimat. Dort verbrachte Eugen Link mit Lydie Link die letzten Jahrzehnte ihres Lebens.
Seine Freundschaft zu Hermann Hesse blieb bis ins hohe Alter bestehen. Beide verband die Überzeugung, dass Literatur Brücken zwischen Menschen schlagen und geistige Heimat schenken kann.
Das Grab
Auf dem Alten Friedhof in Laupheim befand sich das Gemeinschaftsgrab der Familien Link und Gerhard. Zwar wurde das Grab im Jahr 2012 aufgelöst, doch der markante Obelisk blieb erhalten. Die Stadt Laupheim erkannte seinen historischen Wert und bewahrte damit zugleich die Erinnerung an zwei Menschen, deren Leben eng mit der Geschichte Hermann Hesses verbunden ist.
Der erhaltene Grabstein erinnert heute weniger an Vergänglichkeit als vielmehr an das, was Menschen einander schenken können: Vertrauen, Gastfreundschaft und Freundschaft.

Was von einem Menschen bleibt
Nicht jeder hinterlässt große Bauwerke oder politische Entscheidungen. Manche Menschen verändern die Welt auf leise Weise.
Eugen und Lydie Link gehörten zu jenen Menschen, die anderen Raum gaben – für Begegnung, für Gedanken und für Menschlichkeit. Ohne ihre Gastfreundschaft wären manche Erinnerungen Hermann Hesses vielleicht nie entstanden.
So erzählt dieser Ort nicht nur vom Ende eines Lebens, sondern von dem, was bleibt, wenn ein Mensch andere bereichert hat.
Impuls zum Weiterdenken
Vielleicht sind es nicht die großen Erfolge, die uns überdauern.
Vielleicht bleibt das offene Gespräch.
Die ausgestreckte Hand.
Ein gastfreundliches Haus.
Ein Mensch, der einem anderen Vertrauen schenkt.
Was bleibt von einem Leben – und was wächst weiter durch Dich?
